Der Beweis

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Wikiwar

October 22nd, 2009 by Sixtus

In dem Taz Interview von Julia Seeliger mit Pavel Richter zum Thema MOGiS komme ich mit folgendem Abschnitt überhaupt nicht klar:

Relevanzkriterien sind ja nicht Relevanzkriterien – in der englischsprachigen Wikipedia geht man damit ja ganz anders um…

- Das stimmt, die englischsprachige Wikipedia hat andere Kriterien. Das liegt eben daran, dass dort die Community im Laufe ihrer Diskussion zu anderen Kriterien gekommen ist. Die deutschsprachige Wikipedia-Community ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Relevanz nicht verjährt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir nicht jedes Tagesphänomen aufnehmen. Das führt zwangläufig zu einer höheren Einstiegshürde bei der deutschsprachigen Wikipedia.

Ich möchte das jetzt nicht nur an dem aktuellen Fall festmachen, doch bin ich generell sehr verwirrt über die aktuelle Löschdiskussion.

Big Book Wikipedia

In meinen Augen besitzt das Konzept der Wikipedia das größte Potential darin neben Wissen, welches man in anderen Enzyklopädien auch nachlesen kann, Informationen über den Tellerrand hinaus zu sammeln. Jeder einigermaßen der Sprache Englisch mächtige Mensch hat sich schon früher über die deutsche Wikipedia geärgert, und ist dann zur englischen abgewandert, weil einerseits viel mehr, andererseits interessantere Links mit dabei waren. So bietet beispielsweise die englische Wikipedia neutrale und unabhängige Vergleiche von Software auf HInblick auf Funktionen und Umfang. Auf der Suche nach Software findet man sich sofort auf der (englischen!) Wikipedia wieder, und erhält eine genaue Übersicht der Leistungsmerkmale der Software aus der selben Kategorie. So ist es sehr einfach seinen Bedürfnissen entsprechende Software zu finden. Das ist ein Vorteil, einer Enzyklopädie, welche auch auf den ersten Blick unnützes Wissen sammelt.

Das zweite was mich zutiefst verwirrt ist die Aussage mit den Tagesphänomenen. Wenn ich das jetzt richtig auslege spricht Pavel also davon, dass Dinge, die aktuell nur wenige Menschen interessieren, oder Dinge die eh bald wieder vergehen in der freien Enzyklopädie nichts zu suchen haben? Was ist dann mit der Nachwelt? Wie oft ärgert man sich, dass zu gewissen Themen einfach nichts gefunden wird, sind es Internet Memes, sind es eine politische Begebenheiten, was auch immer.
Mir scheint in den Köpfen der Wikipedia Admins liegt eine Denkweise vor die es versucht irgendeiner Überweltlichen Instanz ein Manuskript vorzulegen, das die Welt in Grundzügen erklären kann. Und da sind irgendwelche Eintagsfliegen wirklich irrelevant. Aber da dies nicht der Fall ist, die Wikipedia ist von Menschen für Menschen – Melting Pot des Wissens, um jedem auf Nachfrage alles zu erklären. Auch Dinge, die anderen Irrelevant erscheinen, wenn mindestens eine Person einen Nutzen daraus ziehen konnte, dann ist der Artikel doch relevant?

Lieber habe ich eine zu kurze, mangelhafte Erklärung, die als ‘Stub‘ gekennzeichnet wurde, als garkeine.

Oder irre ich mich da?

PS: Dazu noch ein irrelevanter Eintrag zum irrelevanten Thema. (via irrelevanter fefe)

Update: Julia Seeliger ist selbst von der Geschichte betroffen.

Haiku R1/alpha1 auf dem eeePC

October 20th, 2009 by Sixtus

Achtung, Nerdthema!
Vielleicht kennen ein paar von euch noch BeOS, ein Betriebssystem das von einem ehemaligen Apple-Mitarbeiter initiiert wurde, sehr viele gute Denkansätze besaß, aber leider einfach zu spät kam, dass es gegen die bereits etablierte Konkurrenz irgendwie ankommen konnte.

BeOS hat sich darauf hin leider fast kommentarlos verabschiedet, wurde zwar noch unter dem Namen Zeta im RTL Teleshoppingkanal verramscht, aber faktisch war es da schon tot. Schade drum.
Das ganze Projekt wurde aber von ein paar Entwicklern wieder aufgegriffen, alle damals kommerziellen Teile von BeOS wurden neu geschrieben und es entstand openBeOS, später unter dem Namen Haiku. Eine komplett freie Open-Source Version von BeOS…

Heute bin ich durch Zufall wieder über Haiku gestolpert, und hab gesehen dass es bereits eine Alpha-Version von Haiku gibt. Fein, na das probier ich mal auf meinem Asus eeePC 904HA aus (Baugleich zum 1000HA, bloß ein kleinerer Bildschirm…)

haiku

Ich muss sagen: Für eine Alpha-Version ist Haiku überwältigend! Ich bin beeindruckt, wenn ich daran denke, wie sich Linux damals auf aktueller Notebook Hardware verhalten hat, dann ist Haiku die Zukunft dagegen.
Haiku bootet von SD-Karte auf dem Netbook relativ flott, es wurde sofort die richtige Bildschirmauflösung 1024×600 erkannt, Trackpad funktioniert, Netzwerk natürlich auch sofort.
Zwar ist die Tastatur noch im englischen Zeichensatz, ein passender Zeichensatz lässt sich einstellen. Leider wurde die Soundkarte nicht erkannt, mit ein bisschen Konfiguration bekommt man das vielleicht auch noch hin. W-Lan gibt es in Haiku leider generell noch nicht, fiel mir aber erstmal nicht auf, hatte das Kabel dran ;)

Haiku präsentiert sich optisch genauso wie das damalige BeOS mit dem Tracker: ein aufgeräumter Desktop mit Filemanager ähnlich dem Finder bei Mac OS. Tracker kommt zwar etwas spartanisch, dafür sehr funktionell rüber, stellenweise ist er noch etwas Umständlich, bleibt aber konsequent gleich und logisch bedienbar. Sicherlich wird sich da im Laufe der Zeit noch einiges tun.
Das System läuft jetzt schon über eine Stunde lang stabil, rendert mir ohne Mühe den 3D-Teapot, spielt Videos (leider Stummfilm ;) und verbraucht generell wenig Ressourcen. Es bleibt auch unter Volllast stabil, reagiert sofort auf Befehle.

Was richtig Spaß macht sind die Kleinigkeiten die ohne viel zutun einfach funktionieren wie Filesystemtreiber für Ext und FAT (lesen & schreiben), Antialiasing, (etwas) nettes eyeCandy, Zwei-Finger-Scrolling auf dem Trackpad…
Ein paar Programme sind auch gleich mit dabei: Bon Echo (Firefox), PDF-Reader, Taschenrechner, Zip-Packer, Terminal, E-Mail, Text-Editor, MediaPlayer, IRC-Client, Malprogramm und dem ganzen Krempel. Sogar ein Webserver lässt sich mit einem Klick aufsetzen.

Alles in allem hat sich leider an der Oberfläche seit dem damaligen BeOS wenig getan, somit bleibt das Look&Feel bei den 90er Jahren, allerdings ist das, was unter der Haube steckt mindestens zehn Jahre voraus. Ich war stark beeindruckt wie die ganze Hardware problemlos erkannt wurde, und wie schnell mein eeePC auf einmal sein kann.

Ich glaube ich setze ab sofort Haiku wieder auf mein Radar, falls ich ein bisschen Geld über hab spende ich dem Projekt mal was, ich finde dieses OS nicht schlecht, da steckt noch einiges an Potential und Zukunft drin. Yeah!

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